Mauerweglauf 100MeilenBerlin: ein Fazit

20 Aug

Der Mauerweglauf 100MeilenBerlin ist beendet. Rund 300 Teilnehmer aus aller Welt liefen am 16. und 17. August 2014 in einer Zeit zwischen 13 und 30 Stunden an der 160 Kilometer langen Strecke des ehemaligen Verlaufes der Berliner Mauer entlang. Auf diese Weise erinnerten sie 25 Jahre nach dem Mauerfall an die deutsch-deutsche Teilung sowie an die Opfer der Berliner Mauer zwischen 1961 und 1989. Für asisi ging Oliver Liebert an den Start, zusammen mit seiner Frau und Fahrradbegleitung Simone Liebert. Zusätzlich zum asisi-Videobeitrag von 100MeilenBerlin hier ein Resümee des Ultramarathons aus der Sicht eines Läufers.

Der Mauerweglauf führt durch das asisi-Panorama DIE MAUER (c) asisi

Der Mauerweglauf führte durch das asisi Panorama DIE MAUER (c) asisi

 

Oliver, herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Mauerweglauf 2014! Bist Du mit Deiner Leistung zufrieden?

OL: Vielen Dank! Ich bin dieses Jahr die 100 Meilen in 20 Stunden und 18 Minuten gelaufen – damit konnte ich meine Bestzeit aus dem letzten Jahr noch überbieten und habe mein Ziel somit klar erreicht.

Wie erging es Dir im Vergleich zum letzten Jahr?

OL: Dieses Jahr konnte ich mein Tempo konstant halten und meine Ausdauer hat bis zur Ziellinie gereicht. 2013 hingegen war ich auf den letzten Kilometern schon so erschöpft, dass ich nur noch gehen konnte.
SL: Das stimmt, letztes Jahr wollte Oliver kurz vor dem Ende sogar aufhören und ich musste ihn konsequent motivieren und antreiben. Teilweise bin ich dann einfach vorgefahren, so hatte er gar keine andere Wahl als weiterzulaufen. (Oliver lacht)
OL: Ein Problem waren dieses Jahr die Regenschauer. Dadurch mussten wir immer wieder anhalten und die Kleidung wechseln, wodurch viel Zeit verloren ging. Ein Läufer ist dieses Jahr sogar von der Strecke abgekommen und wurde später 15 Kilometer abseits des Weges dehydriert von der Polizei gefunden und ins Krankenhaus gebracht. So etwas passiert allerdings recht häufig. Selbst der Favorit aus Japan, Tsutomu Nagato, lag wegen Magenproblemen kurzzeitig im Gras und konnte „nur“ den 4. Platz belegen. Man weiß eben nie, was passiert.

Oliver und Simone Liebert (c) asisi

Oliver und Simone Liebert (c) asisi

 

Einen rund 20-stündigen Ultradistanzlauf zu bewältigen, ist eine enorme körperliche Leistung. Welche Rolle spielen Essens- und Trinkpausen?

Durch die permanente Bewegung hat man kaum Hunger, man merkt allerdings, dass die Energie nachlässt. Das ist ein wichtiges Warnlicht und bedeutet, dass der Körper auf Nachschub angewiesen ist. Kaffee oder Cola können als Energielieferanten dienen, zudem hilft Salz, Krämpfe zu vermeiden. Dieses Jahr habe ich bei einem Verpflegungspunkt einfach ein Stück Apfel mit Salz bestreut – schmeckt grauenhaft, ist mir aber im Grunde egal. Bei einem Ultramarathon verbrennt man mitunter leicht 8.000 Kalorien. Um das auszugleichen, reichen herkömmliche Nahrungsmittel meist nicht aus, weshalb ich flüssige Astronautennahrung trinke – ein Beutel hat etwa 500 Kalorien und geht direkt in den Kreislauf.

In welcher Verfassung ist man unmittelbar nach dem Ultramarathon?

Beim Überschreiten der Ziellinie fällt eine immense mentale Last ab und damit geht vorerst auch ein gewisser Lebensinhalt verloren, da man sich seit über einem halben Jahr nur noch auf den Lauf konzentriert hatte.
Der Körper hinkt der plötzlichen Tempo-Umstellung hinterher, weshalb man nicht besonders gut schlafen kann. Gleichzeitig spürt man einen Ganzkörperschmerz und kann sich kaum bewegen – die Wadenmuskeln sind so zusammengezogen, dass man das Bein gar nicht mehr ausstrecken kann. Nach dem Lauf kam ich kaum aus dem Bett, musste mich ständig und überall abstützen und konnte Treppen nur noch rückwärts steigen. Am Tag nach den 100 Meilen gingen wir essen und holten uns anschließend noch zwei Pizzas, wovon Simone nur eine halbe aß und ich den Rest (lacht). Am nächsten Morgen freute ich mich schon wieder aufs Frühstück.

Oliver im asisi Panorama DIE MAUER (c) asisi

Oliver im asisi Panorama DIE MAUER (c) asisi

 

Die 73-jährige Sigrid Eichner hat als älteste Teilnehmerin ihr Ziel, beim Mauerweglauf 2014 nicht den letzten Platz zu belegen, nach knappen 28 Stunden erreicht. Was sind Deine weiteren sportlichen Ziele?

Erfolge spornen an. Auch wenn ich es eigentlich nicht vorhatte, werde ich nächstes Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach wieder am Mauerweglauf teilnehmen – mit dem Ziel, die 20-Stunden-Marke zu durchbrechen. Außerdem reizt mich ein 24-Stunden-Lauf; ich denke nämlich, dass ich die Länge der 160 Kilometer noch ausdehnen könnte.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die weitere sportliche Zukunft!

 

 

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