Buchpräsentation „Canaletto. Seine Jahre in Dresden“ von Ralf Nürnberger

25 Jun

Mit der Wiederaufnahme des Panoramas DRESDEN IM BAROCK am 6. Juni 2015 ist im Panometer Dresden als Erstveröffentlichung der Roman „Canaletto. Seine Jahre in Dresden“ von Ralf Nürnberger erschienen.

Buchtitel des Romans von Ralf Nürnberger (c) asisi

Buchtitel des Romans von Ralf Nürnberger (c) asisi

 

Der Roman beschreibt die Zeit zwischen 1747 und 1767, als der berühmte venezianische Maler Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, am Hof u.a. seine bekannten Dresdner Veduten anfertigte. Ralf Nürnberger skizziert auf unterhaltsame Weise die Gesellschaft und das Leben Mitte des 18. Jahrhunderts im „Florenz an der Elbe“ aus der Sicht des Venezianers.
Nachfolgend eine Leseprobe (aus dem Kapitel „Bedrohte Träume, S. 57 ff.):

Auszug

„Nun aber raus mit der Sprache, was führt Sie eigentlich zu mir?“

„Mein erstes Dresdner Bild. Ich will eine Elbansicht der Stadt mit Hofkirche malen und für den Turm brauche ich Ihre Hilfe.“

„Aber der Turm ist ja noch gar nicht gebaut.“

„Eben darum, ich möchte ihn ins Bild setzen, wie er einmal aussehen soll.“

Plötzlich wurde Chiaveri still, sehr still. Erst nach längerer Pause kam eine Antwort.

„Der Turm ist so eine Sache. Ich habe Pläne gemacht, aber ich bin damit nicht glücklich.“

Dresden, vom linken Elbufer oberhalb des Altstädter Brückenkopfes (Canaletto-Mappe 1895)

 

Bernardo bejahte zögernd. Nun erklärte ihm Chiaveri, dass der König den Turm genau so wünsche. Das Bauwerk solle Zurückhaltung ausstrahlen.

„Aber dann soll man den Turm ganz aufgeben. So ist er sinnlos.“

„Bellotto, wie recht Sie haben. Ich baue eine römische Basilika, da gehört eigentlich ein Doppelturm drauf, aber wem sage ich das? Haben Sie gesehen, was sich unsere protestantischen 58 Freunde geleistet haben?“

„Sie meinen die Frauenkirche.“

„Die meine ich. Stellen Sie das Ding an den Canale Grande oder an die Piazza Navona und alle würden sagen, Ave Maria, eine Wallfahrtskirche. Das ist urkatholische Architektur, oder? Aber ich soll einen ins Kirchenschiff integrierten Einzelturm bauen. Das ist protestantisch! Deutsche Kirchenbauten der Protestanten haben heute nur einen Turm. Das ist doch irrsinnig, eine Basilika mit Protestantenturm, nicht wahr? Nun habe ich hundert Stifte abgebrochen, um die Lösung zu finden, als ich sie endlich hatte, war der König begeistert. Aber kurz danach hieß es, der Turm sei viel zu hoch. Also, Kommando zurück und heraus kam dieses Stummelchen. Bis zum Turmbau ist noch Zeit, wenn der König nicht bald mehr Geld gibt, sogar ewig Zeit. Aber Sie sind meiner Meinung, so darf es nicht werden?!“

Ralf Nürnberger liest aus seinem Roman

Ralf Nürnberger liest aus seinem Roman

 

„Ich bin kein Architekt, aber mein Gefühl sagt mir, aus der Baumasse des Kirchenschiffes muss ein Turm herauswachsen, der die Leichtigkeit der Fassadengestaltung stolz in die Höhe treibt, sichtbar für alle, die sich auf der Elbe der Stadt nähern und wahrnehmbar auch durch die Sichtachsen der Stadt. Man darf nicht das Gefühl haben, der Turm schäme sich für seine Existenz. Dann erst werden die Heiligenfiguren auf dem Dachsims sich scheinbar zögernd von oben ihrer irdischen Wirkungsstätte nähern oder aus dem Tanz der Fassadenlinien heiter empor zum Himmel streben.“

Bernardo bemerkte, dass er sich bereits genauso pathetisch ausdrückte wie sein Gesprächspartner. Chiaveri ist ansteckend mit seiner kindlichen Leidenschaft. Ich muss auf mich aufpassen. Die Augen des Architekten wurden feucht.

„Stehen Sie auf, Bellotto, mein Freund, mein Sohn, endlich einer, der mich versteht.“

Er nahm den jungen Maler herzlich in die Arme und drückte ihn. Der Mann hatte Kraft. Bernardo war gerührt.

„Meister Chiaveri, ich bin auf Ihrer Seite, ich kann mein Bild mit diesem Entwurf des Turmes nicht malen, aber ohne Turm kann ich es sowieso nicht malen. Was für ein Dilemma. Ich muss mir etwas einfallen lassen, das uns vielleicht beiden weiterhilft. Eigentlich wollte ich Dresden festhalten, wie es ist. Nun muss ich mit 59 dafür sorgen, dass die Stadtsilhouette überhaupt zustande kommt. Wie das gehen soll, ist mir ein Rätsel. Aber ich will es mit aller Macht versuchen.“

Canaletto: Dresden, vom rechten Elbufer unterhalb der Elbbrücke

 

Der Roman kann online unter shop.asisi.de oder im Panometer Dresden erworben werden.

 

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