100MeilenBerlin: Mauer-Gedenklauf mit asisi-Läufer Oliver Liebert

16 Jul

Am 16. August werden erstmals die Läufer des Ultramarathons 100MeilenBerlin entlang des ehemaligen Mauerstreifens auch durch das Panorama DIE MAUER laufen. Einer der ca. 300 Teilnehmer wird der asisi-Läufer Oliver Liebert sein. Mehr über diesen besonderen Lauf im Interview…
In Erinnerung an die Opfer der Berliner Mauer laufen beim Ultramarathon 100MeilenBerlin jährlich etwa 300 internationale Teilnehmer die Strecke des ehemaligen Mauerstreifens ab. Der Lauf über ca. 160 Kilometer findet ununterbrochen an zwei Tagen rund um den Jahrestag des Mauerbaus statt, 2014 am 16. und 17. August. Gemeinsames Ziel von 100MeilenBerlin und Yadegar Asisis Panorama ist es, die Erinnerung an die Zeit der Berliner Mauer aufrecht zu halten, um auch 25 Jahre nach der Wende vergangene Erfahrungen für heutiges Handeln zu nutzen.

Diese inhaltliche Schnittstelle führte zu einer ganz besonderen Kooperation: Der Mauerweglauf führt die rund 300 Läufer dieses Jahr am Samstag, den 16. August, frühmorgens durch die Panorama-Rotunde am Checkpoint Charlie unmittelbar entlang des Panoramas DIE MAUER. Dabei sein wird auch der mehrfache Teilnehmer des Ultramarathons Oliver Liebert, der erstmals als offizieller asisi-Läufer an den Start geht. Er wird komplett von asisi ausgestattet und während des Laufes filmisch begleitet.

Vorweg sprach Oliver Liebert im asisi Panorama Berlin über den Lauf, über die Mauer und über seine Wahlheimat Berlin.

 

© asisi

asisi-Läufer Oliver Liebert  © asisi

 

Oliver, was ist Dein erster Eindruck vom asisi Panorama DIE MAUER?

Ich finde es schlichtweg phänomenal! Man hat den Eindruck, direkt an der Berliner Mauer zu stehen und taucht so in eine Lebenssituation ein, in die man sich sonst nie in vergleichbarer Form einfühlen könnte. Besonders beeindruckt hat mich der Umschwung von der Tagesansicht zur Nachtsituation. Zusammen mit der Geräuschkulisse entsteht so eine gewisse Bewegung und je länger man das Panorama betrachtet, desto mehr werden die unzähligen Details sichtbar.

Du lebst seit bald 20 Jahren in Berlin. Wie hat die Stadt in der Nachwendezeit auf Dich als frisch Zugezogenen gewirkt?

Als gebürtiger Stuttgarter muss ich sagen, dass das Ereignis des Mauerfalls 1989 aus süddeutscher Perspektive überraschend wenig Gewicht hatte. Die deutsch-deutsche Teilung und die Berliner Mauer waren in meiner Wahrnehmung als damals 17-Jähriger eher abstrakte, befremdliche Themen. Mit meinem Zuzug nach Berlin haben sich meine Perspektive und mein Bewusstsein allerdings stark verändert. Den Ost-West-Kontrast habe ich interessanterweise vor allem in den ehemaligen DDR-Gebäuden gespürt: die Bodenbeläge, die Wände, der Geruch… Die gesamte Atmosphäre war einfach eine andere. Berlin war für mich spannendes Neuland; es gab viel zu entdecken, und das gibt es heute auch noch. Mittlerweile ist die Stadt allerdings meine neue Heimat geworden, was ich vor allem meiner Frau zu verdanken habe: Sie ist Westberlinerin und hat mir einen völlig neuen Zugang zur Stadt eröffnet.

 

© asisi

Gespräch im asisi Panorama DIE MAUER © asisi

 

Der Mauerweglauf erinnert an den Mauerbau und seine Folgen zwischen 1961 und 1989. Welche Rolle spielt dieser Gedenkcharakter aus Perspektive des Läufers?

Als Ultraläufer ist man bei 100MeilenBerlin natürlich in erster Linie auf der Suche nach einer sportlichen Herausforderung. Ich merke allerdings, dass sich viele der Teilnehmer – mich eingeschlossen – im Zuge der sportlichen Veranstaltung stark mit der Thematik der Berliner Mauer beschäftigen. Allein durch die vielen Gedenktafeln, denen man auf dem Weg begegnet, ist man sich dieser inhaltlichen Klammer der Veranstaltung stets bewusst. Zudem merke ich, dass sich auch ausländische Teilnehmer mit diesem historischen Kapitel auseinandersetzen, die bis dato wenig oder auch gar keinen Bezug dazu hatten.
Spannend finde ich vor allem, wie man als Läufer die Dimension der Mauer nachempfindet: Wenn man den 160 Kilometer langen Weg entlang der früheren Grenze in rund 20 Stunden völlig abläuft, entwickelt man ein Gefühl für die wuchtigen Ausmaße der Berliner Mauer.

Wo liegen die Schwierigkeiten bei einem Lauf von 160 Kilometern?

Man weiß nie, was auf der Strecke passiert. Vor allem bei Einbruch der Dunkelheit, nachdem man bereits den ganzen Tag unterwegs ist, kann es mühsam werden. Wenn es dann etwa auch noch regnet und man völlig durchnässt und erschöpft ist, kommt man an seine Grenzen. Dafür sind unsere Verpflegungspunkte auf dem Weg sehr wichtig. Ich habe glücklicherweise zusätzlich eine Fahrradbegleitung: Meine Frau bleibt an meiner Seite und sorgt für die entscheidende moralische Unterstützung.

 

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Oliver Liebert im Gespräch mit Levin Klocker © asisi

 

Wie bereitest Du Dich vor?

Neben Kräftigungsübungen laufe ich vor allem entlang größerer Teilabschnitte des Mauerweglaufes – stets in Richtung der tatsächlichen Strecke am 16. und 17. August. Gegen Ende meiner Vorbereitungszeit versuche ich immer weniger zu laufen, damit ich schlussendlich ausgeruht an den Start gehen kann.

Alles Gute für Deinen Mauerweglauf!

 

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